Lerngruppen – Stufen der Entwicklung

Im Laufe der Schulzeit durchlaufen die Lernenden entscheidende Entwicklungsschritte, die sie sowohl zu immer abstrakterem Denken befähigen, wie auch die Eigenverantwortung und das Bewusstsein für das soziale Miteinander ausprägen.
Wir unterteilen die Schulzeit (Primaria und Sekundaria) in vier Stufen (Lerngruppen), in denen die Lernenden altersgemischt lernen und begleitet werden:

  • Primaria 1: ca. 6 bis 9 Jahre
  • Primaria 2: ca. 10 bis 11 Jahre
  • Sekundaria 1: ca. 12 bis 14 Jahre
  • Sekundaria 2: ca. 15 bis 16 Jahre

Jede Stufe birgt nach unserer Erfahrung eine bestimmte Qualität in sich.


Die Primaria ist geprägt von der Verbindung der konkreten Erfahrung mit dem eigenen Denken (Stadium der konkreten Operation, kognitive Entwicklung nach J. Piaget): Vergleichen, Reihen bilden, Regeln erkennen und aufstellen etc., wobei ab der Primaria 2 das Setzen von Zielen und bewusste Planen der Arbeit mehr Raum einnimmt.
Beim Übergang von der Primaria zur Sekundaria findet ein wichtiger Entwicklungsschritt statt: Der Übergang von der konkreten Operation zum formalen Denken (J. Piaget): Ab jetzt sind die Lernenden in der Lage, Probleme vollständig auf einer hypothetischen Ebene zu lösen. Logische Schlussfolgerungen sind ebenso möglich, wie das geistige Variieren von Variablen.

Ab der Sekundaria 2 liegt der Schwerpunkt auf der IGCSE Prüfungsvorbereitung.

Entwicklung der Selbständigkeit und Verantwortungsannahme
Von Anfang an haben Kinder ein inneres Gefühl für das, was für ihre Entwicklung gerade richtig ist. Je älter sie jedoch werden, desto mehr bildet sich die Fähigkeit aus, über die Lernvorgänge zu reflektieren und umfassende Verantwortung zu übernehmen für das eigene Lernen und für die Gemeinschaft. Diese Bewusstseinsentwicklung spiegelt sich in der konkreten Umsetzung auf den verschiedenen Stufen wieder:
Am Anfang der Schulzeit steht das unmittelbare Befolgen innerer Impulse und das konkrete Tun im Vordergrund. Durch die freie Wahl der Tätigkeit und der Sozialform lernen die Kinder sich selbst und ihre Fähigkeiten kennen, und sie üben, Entscheidungen zu treffen. Den Überblick über die Lernvorgänge zu behalten, ist einzig die Aufgabe der Lehrperson. Sie nimmt die Lernenden wahr und unterstützt durch die Gestaltung der Umgebung und in der Art der Angebote die Entwicklung der Kinder.

Im Laufe der Primaria kommt die Versprachlichung und Reflexion dazu: In Gruppen- und Einzelgesprächen werden die Lernschritte bewusst gemacht und im Lerntagebuch dokumentiert. Falls nötig bespricht der Tutor nun aufkommende Themen und mögliche Lernschritte mit dem Kind. Mit zunehmendem Alter lernen die Kinder, Ziele zu formulieren und Techniken zur Arbeitsplanung kennen zu lernen und zu nutzen. Im Schulalltag übernehmen die Kinder von Anfang an ihrem Alter entsprechende Aufgaben in der Pflege der Räume und der Organisation der Schulanlässe. Zu Beginn sind das kleine Aufgaben, die die Kinder erfahren lassen, dass sie mithelfen und mitgestalten können, bis sie am Ende der Schulzeit die Anlässe weitestgehend selbst organisieren und in der Sekundaria ihre eigenen Schulräume pflegen.
In dem von den Schülern aller Lerngruppen gewählten Schülerrat und in der Schulversammlung (ASSEMBLEIA) lernen die Kinder einander zuzuhören, ihre Meinung mitzuteilen, Regeln zu entwickeln und Lösungen und Konsequenzen für deren Übertretung zu finden. Dort lernen sie auch aktiv, ein demokratisches Grundverhalten zu verstehen und anzuwenden und sich und ihre Lern- und Projektergebnisse vor der ganzen Schulversammlung zu präsentieren.
Ab der Sekundaria übernehmen die Schüler immer mehr orientierungsgebende Leitungspositionen. Sie üben so, neben dem Vertreten ihrer eigenen Interessen, den Blick für das Gesamte zu behalten.

Wichtige Elemente

Wichtige Elemente in allen Stufen sind die „Reisende Schule“ und die Ausstellung (Semesterarbeit) am Ende des Schuljahres.

„Reisende Schule“:
Siehe: Projektunterricht

Semesterarbeit und Ausstellung

Für die Semesterarbeit am Ende der Primaria und der Sekundaria 1 setzen sich die Kinder mit einem frei gewählten Thema auseinander. Neben einem praktischen Teil enthält sie einen schriftlichen und einen darstellenden Teil.
An der Ausstellung am Schulabschlussfest für alle Eltern, Freunde und Mitglieder des Friedensforschungszentrums Tamera werden die Semesterarbeiten öffentlich präsentiert. Die Ausstellung soll den Kindern ermöglichen, sich in einem größeren Rahmen sichtbar zu machen und ihre Arbeiten zu zeigen. Auch die Primariakinder können kleinere Arbeiten ausstellen.
Alle Kinder sind an diesem gemeinsamen Anlass auf ihrer Stufe beteiligt, z. B. durch die Ausstellung einer eigenen Arbeit, dem Mithelfen in der Vorbereitung, dem Gestalten der Räume usw.

Übertritte und Meilensteine

Der Übertritt in die nächste Stufe wird in der Escola da Esperança jeweils mit einem bewussten Schritt verbunden: Dem Meilenstein. Dadurch gewinnt der Übertritt in die nächste Stufe an innerer Bedeutung, denn das Kind spürt, dass es reif ist. Schon lange davor hat es sich von der nächsten Stufe angezogen gefühlt, hat neugierig zugeschaut und den Sog gespürt, da bald dazu zu gehören. Nun kann das Kind/der/die Jugendliche zeigen, dass es/er/sie reif für die nächste Stufe ist (bzw. eine Entscheidung getroffen hat).
Die Meilensteine stellen für das Kind eine positive Herausforderung dar, haben also keinen Prüfungscharakter, sondern dienen dazu, das Kind zu stärken.

Einschulung mit ca. 6 Jahren:

  • Interesse und Bereitschaft, sich mit den Kulturtechniken tiefer auseinanderzusetzen und im Lernraum konzentriert zu arbeiten
  • Einschulungsfest

Meilenstein 1: Übertritt von der Primaria 1 in die Primaria 2

  • Inhaltliche Grundlagen in Mathe und Sprache erarbeitet
  • Bereitschaft, bewusst Lernziele zu setzen und zu verfolgen und seine Arbeit zu planen

Meilenstein 2: Übertritt von der Primaria in die Sekundaria

  • Inhaltliche Grundlagen (Primariastoff) als Voraussetzung für die Sekundaria erarbeitet
  • Bereitschaft und Fähigkeit, seine Arbeit eigenverantwortlich zu planen und auszuführen
  • erste Semesterarbeit, die an der Ausstellung präsentiert wird
  • dreiwöchiges, eigenständiges Praktikum im portugiesischen Sprachraum

Meilenstein 3: Übertritt von Sekundaria 1 in Sekundaria 2

  • Entscheidung, für die Abschlussprüfungen anzutreten
  • große Semesterarbeit, die an der Ausstellung präsentiert wird
  • erste politische Reise

Schulabschluss:

  • IGCSE Abschlussprüfungen
  • gemeinsame Abschlussreise
  • freiwilliges Abschlusspraktikum, Abschlussarbeit oder eigene politische Reise

Die Übergänge in die jeweils nächste Stufe finden ungefähr mit neun, elf und vierzehn Jahren statt. Entscheidend ist jedoch nicht das Alter des Kindes, sondern ob es die entsprechende Reife und innere Bereitschaft besitzt. Der Zeitpunkt kann somit von Kind zu Kind variieren, sodass die Schulzeit allenfalls auch abgekürzt bzw. erweitert werden kann.
Normalerweise wechseln die Kinder die Lerngruppe jeweils am Ende des Schuljahres, das mit der Ausstellung/dem Abschlussfest abgeschlossen wird. Gleichzeitig haben die Übergänge fließenden Charakter, da die Lernräume offen sind und die Kinder, die vor dem Übergang stehen, schon davor mehr und mehr den Kontakt zu den oberen Lerngruppen aufsuchen und sich an ihnen orientieren.